Renaissance Landschaft aus Wasser und Symbolen
Noerdlich des Zentrums von Florenz fuehrt eine baumbestandene Allee zu einer hellen Villa, die heute fast abseits wirkt. Die Villa di Castello war jedoch ueber Jahrhunderte ein sichtbares Zeichen der Medici Herrschaft und ein fruehes Modell fuer den italienischen Gartenstil.
Der Name Castello geht auf ein roemisches Aquedukt mit Zisternen, den sogenannten castellum, zurueck. Im vierzehnten Jahrhundert stand hier bereits ein Landhaus. Um vierzehnhundertsiebenundsiebzig erwarben Lorenzo und Giovanni di Pierfrancesco de Medici das Gut und liessen es erweitern. Lorenzo zaehlte zu den wichtigsten Auftraggebern von Sandro Botticelli und liess fuer Castello Gemaelde wie Die Geburt der Venus und Primavera malen.
Cosimos Vision
Nach dem Krieg und der Belagerung von Florenz in den Jahren zwischen 1529 und 1530 war die Umgebung verwuestet. Als Cosimo im Jahr 1538 Herzog wurde, beauftragte er den Architekten Giorgio Vasari mit dem Umbau der Villa und Niccolo Tribolo mit der Gestaltung eines neuen Gartens, der die Toskana im Kleinen darstellen sollte.
Tribolo legte drei Terrassen an, die streng auf die Rueckseite der Villa ausgerichtet sind. Oben symbolisiert eine Figur von Bartolomeo Ammannati die Apenninen, waehrend zwei Kanaele den Fluss Arno und den Mugnone darstellen. Weitere Brunnen und Skulpturen verweisen auf Tugenden der Medici Familie und auf die Wohltaten, die sie der Stadt zuschreiben liessen.
Die erste Terrasse umfasst sechzehn geometrische Beete um ein grosses Wasserbecken mit der Figurengruppe Herkules und Antaeus. Auf der zweiten Terrasse, dem Zitrusgarten, stehen im Sommer rund fuenfhundert Orangen und Zitronen in grossen Terrakottatoesen. Viele Sorten gehen auf Experimente der Medici zurueck und gelten heute als botanische Raritaeten.
Die dritte Terrasse fuehrt zur Grotta degli Animali, einer kunstlichen Grotte, deren Innenraum mit Tropfstein, Kieselmosaiken und Tiergruppen aus verschiedenfarbigem Stein gestaltet ist. Ein ausgekluegeltes Rohrsystem sorgte frueher fuer Wasserstrahlen aus Boden, Decke und Figuren und schuf eine kuehle, spielerische Atmosphaere.
Oberhalb liegen geheime Gaerten, ein Hu gelwald, das selvatico, sowie ein Becken mit der Bronze Janus oder Apennin von Ammannati. Im neunzehnten Jahrhundert ergaenzten die Habsburger Lorena das Ensemble um einen Landschaftspark im englischen Stil.
Seit 1984 sind die Gaerten als staatliches Museum geoeffnet. Restaurierungen an Pflanzenbestand, Skulpturen, Wassertechnik und Limonaien lassen die urspruengliche Gestalt wieder erkennbar werden. Im Jahr 2013 wurde die Anlage als schoenster oeffentlicher Park Italiens ausgezeichnet.